Sammelbilder

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Antiquariat Köberich Frühjahr/Sommer 2017

Die Geschichte der Sammelbider und Sammelbilderalben lässt sich in drei Zeiträume unterteilen.

Zeitraum I (1872 - 1920)

Die Grundidee, Bilder beim Kauf einer Ware beizugeben, geht in Deutschland auf die Firma Stollwerck zurück, sie warb bereits um 1840 auf ihren Waren mit bildlichen Darstellungen. Vorlärfer dieser Werbemaßnahme war auch die Kaufhauskette “Au bon marché” in Paris, die es heute noch gibt. Der Begründer der Kaufhauskette, Aristide Boucicaut, warb zunächst mit Bilderkärtchen und Bildkalendern, die seine Firmenwerbung auf der Rückseite trugen.

Das Jahr 1872 steht als eigentlicher Beginn des ersten Zeitraums durch die Ausgabe der ersten Bilderserie der Firma Liebig, die großen Anklang beim Kunden fand. Die bis dahin ausgegebenen Bilder hatten offensichtlich keinen Seriencharakter. Die Liebigbilderausgaben wurden fortgesetzt. Angeregt durch diesen Erfolg warben nun auch andere große Firmen mit Sammelbildern. Um die Kauflust durch einen weiteren Sammelreiz zu verstärken, machte man also nun das bislang beigegebene Einzelbild zum Serienbild, meist bilden 6 Einzelbilder eine Serie. Die bekanntesten dieser Unternehmen stammen aus den Industriezweigen von Kakao, Schokolade, Kaffee-Ersatz, Margarine und Schuhcreme.

Am häufigsten trifft man im ersten Zeitraum das Format der Kaufmanns- oder Liebigbilder (ca. 12 x 8 cm) und das der Automatenbilder (ca. 9 x 5 cm) an. Während Kaufmanns- und Liebigbilder als Kaufzugabe vom Händler (“Kaufmann”) oder auf Gutscheinbasis von der Firma selbst ausgegeben wurden, waren die Automatenbilder Beilage von Waren aus Automaten.

Die meisten Firmen gaben im ersten Zeitraum für ihre Serienbilder keine Alben aus, auch Liebig nicht. Stollwerck bildet hier eine Ausnahme mit der fast jährlichen Ausgabe von neuen Alben ab 1897. Einige Verlage (z.B. Dreser) vertrieben allerdings Alben für Sammelbilder auf eigenes Risiko. Die einzelnen Serien waren zwar themengebunden, die Alben jedoch zunächst nicht. Ein Album mit einem einzigen Thema ist eher Sachbuch, war demnach weniger werbewirksam als ein mehrthematisches Album, das eine kleine Enzyklopädie darstellt.

Durch den Krieg und die ihm folgende wirtschaftliche Krise kam die Ausgabe von Sammelbildern fast völig zum Erliegen.Ausnahmen davon bilden u.a. die Firmen Gartmann und Berliner Morgenpost, sie gaben fast unbeeindruckt von Krieg und Finanzmisere ihre Sammelbilder und Alben bis zum Ende des 1. Zeitraumes weiter ab.

Zeitraum II (1921 - 1945)

Durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch nach Ende des ersten Weltkrieges und der folgenden Inflation wurde die Ausgabe von Sammelbildern gebremst. Doch ein neuer, sehr wichtiger Industriezweig knüpfte an die Werbeerfolge mit Sammelbildern des ersten Zeitraumes an: die Zigaretten- und Tabakindustrie. Bereits Ende der 20er Jahre beherrschte sie den Sammlermarkt. Allein in Dresden gab es 1938 über 60 verschiedene Unternehmen dieses Industriezweiges. Auch andere Firmen, die wir bereits aus dem ersten Zeitraum kennen, begannen wieder mit Bildwerbung.

Durch die Änderung der politischen Verhältnisse im Jahre 1933 öffneten sich neue Themenkreise. Die vielen Seiten des Nationalsozialismus in Gesellschaft, Kultur, Politik und Sport boten reichhaltige Motive für Sammelbilder. Alben mit politischer Propaganda dominierten in den nächsten Jahren. Den neuen Machthabern unbequeme Alben und Bilder wurden durch strikte Zensur verboten.

Die bisher im ersten Zeitraum gebräuchlichen Einsteckalben fanden immer weniger Verwendung. Alben (nebst weiterhib Bildern bzw. Serien) wurden jetzt von viele Firmen herausgegeben, die teilweise über Bilderdienste vertrieben wurden, waren mit reichhaltigem Text und Illustrationen versehen. Auch der niedrige Preis von ca. 1,-- RM pro Album erschloss allen Bevölkerungsschichten dieses Sammelgebiet. Alben wurden in millionenfach, Bilder milliardenfach gedruckt und vertrieben.

Zu den wichtigsten bilderausgebenden Unternehmen zählt in dieser Zeit die Firma REEMTSMA. Dieser Konzern führte ein Bilder-Scheck-System ein, das ein von der Packungsgröe unabhängiges Bildformat ermöglichte. Die Bilder-Schecks waren fortlaufend numeriert. Für einen Bildersatz von z.B. 50 Bildern war ein kompletter “Schecksatz” von 1 bis 50 einzureichen.

Wie auch im ersten Zeitraum beendeten die Kriegsjahre die Herausgabe von Sammelbildern und Alben. Hinzu kam ein generelles Verbot vom 01. Mai 1942 für Zigarettenbilder und Bilderschecks zur Rohstoffersparnis.

Nach dem zweiten Weltkrieg beginnen ab 1949 wieder einige Unternehmen, mit Bildern für Ihre Produkte zu werben. Die Sammelbilder und Alben der Nachkriegszeit als auch die Sammelbilder und Alben bis Ende 1945 sind in unseren Katalogen Reklame- und Sammelbilder erfasst und bewertet.

Zeitraum III (ab 1945)

Der dritte Zeitraum wird von bekannten Firmen aus dem ersten und zweiten Zeitraum mit Sammelbildern, teilweise Neuauflagen aus dem zweiten Zeitraum, eröffnet.

Die Margarineindustrie beendete 1954 auf Grund einer gemeinsamen Vereinbarung die gesamte Bilderwerbung für ihre Produkte. Ein Jahr später erließ der Gesetzgeber ein Zugabeverbot für Bilder der Tabakindustrie. Der BGH stellte 1957 grundsätzlich fest: Die Abgabe von Sammelbildern ist erlaubt, sofern auf diesen Bildern ein Werbeaufdruck ist.

In den sechziger Jahren hielten sich viele Firmen mit der Sammelbilder-Reklame zurück. Erst Anfang der siebziger Jahre brachten Bilderdienste, wie Gloria, Penny und Linda mit Sammelpunkt-Systemen frischen Wind in die Sammelszene. Spätestens seit den achtziger Jahren sind Sammelbilder und - alben in ihrer Qualiät und Ausführung nicht mehr an dem hohen Standard ihrer Vorläufer zu messen. Überdies beherrschen immer mehr die Tütenbilder und -alben den Sammelbildermarkt.

Die letzten Jahrzehnte sind am Rande geprägt durch das Aufkommen von “Cards”, Sammelkarten (amerikanischen Ursprungs).